Und dann gibt dein Körper plötzlich auf

Juni 11, 2017
KÖRPER
SCHMERZ IST DIE KLEINE STIMME IN DEINEM KOPF, DIE DICH DAVON ABHÄLT, DICH ZU VERÄNDERN

Aber manchmal ist sie auch einfach nur Schmerz. Mein Fußknöchel ist so dick wie zwei Avocadokerne. Verletzt, aber immerhin noch fancy. Über Nacht hoffe ich noch, alles würde wieder abschwellen und meinem zweistündigen Lauf stünde nichts im Wege. Falsch gedacht. Morgens rolle ich mich aus dem Bett und laut knackt es. Ein Schmerz durchzuckt meinen Fuß. Es hilft nichts, der Lauf fällt aus.

Sofort schießen mir Tränen in die Augen. „Nicht jetzt, komm schon“, ist wohl mein häufigster Gedanke an diesem Tag. Ich kann mich nicht erinnern, die Woche umgeknickt, hingefallen oder irgendwo gegen gestoßen zu sein. Plötzlich fühle ich mich untrainiert als hätten all die schweißtreibenden Trainingsstunden nichts gebracht. Was rational gesehen natürlich völliger Quatsch ist.

ENDLICH HATTE ICH DAS GEFÜHL, ALLES IM GRIFF ZU HABEN

Die vergangene Woche war die beste seit langem. Langsam legte ich das Gefühl ab, dass mein Leben so seinen Weg geht und ich nur hinterher stolperte. Ich. War. Am. Zug. Doch jetzt lachte mein Körper nur über mich. Er machte schlapp, zeigte mir sehr deutlich, wo die Grenze ist. Diese Verletzung wirft mich aus der Bahn. Es mag sein, dass ich übertrainiert habe, Erschöpfung sich breit macht, die falschen Schuhe Schuld sind, doch letztlich ist es egal, WARUM mein Knöchel schlapp macht. Das Einzige, was jetzt wichtig ist, ist gesund zu werden. Und die Tränen abzuschütteln.

Es bringt nichts, auf einen entzündeten Fuß zwei Stunden laufen zu gehen. Ich weiß das. Es wird alles nur verschlimmern. Mehrere Tage oder sogar Wochen wegen einer kleinen Dummheit auszufallen, darüber würde ich wirklich einen Grund zum Heulen haben. Trotzdem ließ sich der Ärger nicht so leicht abschütteln. Ich hatte so lange trainiert! So viele Stunden und Emotionen in viele Läufen gesteckt, um jetzt wie eine kleine Qualle auf meinem Bett zu hocken und mich von meiner Verletzung treiben zu lassen.

KEIN SPORT IST KEINE OPTION

Das Positive ist: Es gibt en masse Alternativen zum Laufsport. Mit neu entfachter Disziplin schnürte ich mir die Sportschuhe, um mein Training im Fitnessstudio fortzuführen. Alles ist besser als regungslos auf dem Sofa zu hocken. Kein Sport mehr zu machen, längere Trainingspausen, aus dem Rhythmus zu kommen, all das ist für mich nicht mehr vorstellbar. Seit nunmehr 9 Wochen ist das Training mit viermal in der Woche schon fast mein täglicher Lebensbegleiter geworden. Es ist Alltag. Wundervoller, anstrengender Alltag.

Der regelmäßige und herausfordernde Sport hat mir endlich gezeigt, was in mir steckt und möglich ist. Die letzten neun Wochen sind ein Beweis für jeden Bewegungsmuffel und jede Couchpotato, dass auch ein totaler Anfänger Gefallen an solchen Aktivitäten finden kann und vor allem, dass die Zeit da ist, wenn man es nur will. Neben einem Vollzeitberuf, dem Bloggen und anderen Projekten. Liebe Leute, es ist möglich!

SPORTSUCHT

Wegen eines ausgefallenen Trainings heulend auf dem Bett zu sitzen, klingt für viele wahrscheinlich völlig absurd. Es wird noch viele Läufe geben und genug schweißtreibende Workout-Sessions. Einige schreien plötzlich das Wort „Sportsucht“ in den Raum. Ohne wirklich zu wissen, worum es sich da handelt. Sportsucht ist ein suchtartiges Verlangen nach sportlicher Betätigung ohne Wettkampfambitionen. Sie äußert sich in unkontrolliertem, exzessivem Trainingsverhalten und führt zu körperlichen und seelischen Beschwerden. Soweit ist es bei mir nicht.

Ich nehme diese Verletzung durchaus ernst und lasse den Lauf ausfallen. Natürlich suche ich mir eine Alternative, steht doch in drei Wochen mein Halbmarathon an. Eine völlig nachvollziehbare und normale Entscheidung. Langfristig zu denken, ist das Ziel und nicht wie eine Bescheuerte mit einem verletzten Körper auch noch die letzten Kräfte zu verschwenden. Motiviert wische ich mir die letzte Träne aus dem Gesicht.

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2 comments

Jenni Juni 12, 2017 at 9:28 am

Ich kann dich so gut nachvollziehen! Ich habe auch schon Heulkrämpfe gehabt, weil ich mit einer Sportart aufhören musste oder weil ich Wochenlang keinen Sport machen durfte! Es freut mich aber zu hören das du soweit alles im Griff hast und versuchst Positiv zu denken 🙂

Liebe Grüße,
Jenni
https://fitdaydreamerblog.wordpress.com/

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Laura Juni 12, 2017 at 9:35 am

Liebe Jenni,
danke für deine liebe Anteilnahme und dein Verständnis! Sportausfälle wegen Verletzungen ist wirklich kein Spaß, wenn der Ehrgeiz einmal entfacht ist. Dennoch wird es noch viele weitere Läufe im Leben geben, wenn wir uns genug schonen und mit neuer Kraft angreifen können!
Starte gut in den Tag <3

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