Wie willst du werden, wenn du groß bist?

Februar 7, 2017

Ich renne schon mein ganzes Leben lang Tagträumen hinterher, die mehr oder minder dem Mittelmaß entsprechen. Und ich hasse das. Denn ich will nicht das Mittelmaß sein. Vor den großen, verrückten Träumen schrecke ich zurück. Verstecke sie tief im Innern und breche aus dem gutbürgerlichen Leben nicht aus. Dennoch treiben die Tagträume mich doch irgendwie stets ein Stück weiter voran. Denn immerhin entsprechen sie dem Mittelmaß.

Scheint einer von ihnen jedoch zum Greifen nah, stellt sich der nächste in den Weg, welcher zum vorherigen nicht passt. Oder es stellt sich heraus, dass der Traum doch nicht so gut, hoch und weit genug war als anfangs gedacht. Weil mir nichts im Leben genug ist. Auf der einen Seite eine bewundernswerte Eigenschaft – ich stehe nie still. Auf der anderen Seite eine unglaublich anstrengende Leidenschaft – nichts ist gut genug, entweder überrennt mich der Zweifel oder die Langeweile.

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Ich verstehe nicht, wieso das so ist. Ich will nicht verstehen, wieso mein Leben mir nicht zu passen scheint. Wie ein zu klein geratener Anzug oder ein zu eng geschnittenes Kleid platzt die Unzufriedenheit aus mir heraus. Es macht mich verrückt. Und nicht nur mich, sondern auch meine Liebsten um mich herum. Ständig die immer gleichen Fragen „Was will ich eigentlich?“ oder: „Will ich das wirklich?“

Dabei geht es überhaupt gar nicht darum. Es geht gar nicht um das Was, wenn man seine eigenen Träume betrachtet. Die Lösung steckt viel tiefer: Es geht darum, eine Bilanz unter allem zu ziehen. Woher stammen die Träume, warum hat man sich gerade diese ausgesucht? Und am wichtigsten: Wer steckt hinter diesen Zielen?

SIND MEINE TRÄUME WIRKLICH DIE MEINEN ODER VIELMEHR DIE EINES ANDEREN?

Es dämmerte mich immer häufiger, dass die Träume, denen ich mein Leben lang hinterherrannte, nicht die meinen sind. Eine Erkenntnis, die Befreiungsschlag und Grauen zu gleichen Teilen war. Rannte ich womöglich seit Jahren den falschen Zielen hinterher?

„Es wäre schön, in deinem Traum zu leben. Welches meine Träume sind? Oh, mein Herr – ich weiß es nicht“, dachte ich mir schon so oft. Auf der einen Seite weiß ich, dass ich ihnen schon viel näher bin als noch vor ein paar Jahren. Aber ich kann sie immer noch nicht richtig greifen. Bin ich karrieregeil? Will ich mal eine Familie gründen? Welchen Beruf will ich einschlagen? Was will ich mal hinterlassen?

Viele von euch werden an dieser Stelle denken: Ach Laura, du bist noch so jung, das musst du doch jetzt alles noch gar nicht wissen. Diese Unwissenheit stresst mich jedoch zusehends. Ich weiß nicht, worauf ich hinarbeiten soll, weiß nicht, auf wen oder was ich mich einlassen soll. Sobald ich einen Weg einschlage, kommt das gute alte „Was wäre, wenn…?“ und „Eigentlich willst du was ganz anderes“ auf den Tisch. Gepaart mit Selbstzweifeln und Unsicherheit strebe ich vor allem nach einem: Sicherheit.

Also mache ich von allem etwas und letzten Endes doch nichts richtig. Schlage eine Richtung ein und wechsle viel zu oft die Spur. Aber vielleicht ist es gerade das, was ich bin. Stets auf der Suche nach mehr. Eine unzufriedene Nomadin auf der Suche nach ein klein wenig Akzeptanz, die nur sie selbst sich schenken kann und sich doch verwehrt. Bin Richter und Henker zu gleichen Teilen und kann nicht sagen, wer härter durchgreift.

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