Superwoman

Januar 24, 2016

„Ich habe nicht gesagt, dass sie Superwoman ist, ich sage nur, dass noch niemand Superwoman und sie gemeinsam in einem Raum gesehen hat.“

Zu Anfang sollte ich eins klar stellen – Ich bin nicht Superwoman. Und ich halte mich auch nicht für sie. Was ich aber weiß ist, dass mich eigentlich alle in meiner Umgebung für einen Workaholic halten. Noch nicht mal eigentlich. Es sind alle.

Viele bewundern diese Eigenschaft an mir. Sie machen den Workaholic in mir dafür verantwortlich, schnell zu sein, unermüdlich zu sein. Er sei hilfreich dabei, den Blazer anzuziehen, den Lidstrich nachzuziehen und all den Businessmen und –women die Hand entgegenzustrecken und sie auf meine Seite zu ziehen. Sie bewundern meine Souveränität bei Vorträgen und Lehrveranstaltungen. Sie wünschen sich, manchmal mehr so wie der Workaholic dort vorne zu sein. Am Ende meiner Vorträge, Seminare oder Lehrveranstaltungen brechen Fragen über mich ein. Sie richten sich nicht an mich, sondern an den Workaholic, von dem alle glauben – er wäre ich.

Sie fragen mich also, woher ich die immerwährende Motivation nehme. Sie fragen mich, ob ich beziehungsfähig bin. Wenn sie dann erfahren haben, dass ich eine Fernbeziehung habe, die auf einer Entfernung von 600 Kilometern basiert, fragen sie mich, wie ich das aushalte. Ob es mich nicht auffräße, soweit getrennt von ihm zu sein. Oh, die Frage ist einfach, my dear. Ich bin damit ja nicht allein.

Dann sagen sie mir, ich wäre herzlich, aber zugleich unnahbar und kalt. Rational und gleichzeitig emotional. Instrumentalisiert und doch irgendwie mitreißend, polarisierend.

Sie fragen mich, warum ich so viel Wert auf die Arbeit lege. Sie fragen mich, wie ich entspanne. Sie fragen mich, wann ich mein letztes Buch gelesen habe, was nicht zum Zwecke meines Lebenslaufs wäre. Sie fragen mich, ob auch ich einmal Angst habe. Sie fragen mich, wie ich so viele Gerüchte aushalte. Sie fragen mich, ob ich nicht das Gefühl habe, all die schönen Dinge zu verpassen, die man zu Feierabend tut, den ich nicht hätte. Sie fragen mich, wie ich so weiter machen kann. Sie fragen mich, warum ich so bin wie ich bin. Sie fragen mich, ob es einfach wäre, ich zu sein.

Welche Antwort der Workaholic parat hat? Er grinst und verschweigt. Versteckt sich hinter der gewohnten Fassade und wirft der Meute Wissbegierigen die üblichen Phrasen zu.

Und sie? Sie lechzen nach jedem Happen und verschlingen jedes noch so gut gemeinte, aber unehrliche Wort des Workaholics. Er bestimmt den Takt, die Musik, den Rhythmus und lässt die Meute tanzen…

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Pullover – H&M
Lederjacke – Forever 21

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