Mit dem Halbmarathon direkt in ein neues Leben

Juni 22, 2017
Halbmarathon-Training
JEDER WETTKAMPF IST ETWAS BESONDERES – DIESER HALBMARATHON IST EIN NEUANFANG

Round about 21,1 Kilometer erwarten mich am Wochenende. 12 Wochen Training, mehrere Verletzungen, Krankheiten, all das sollte mich nicht von meinem Ziel abhalten. Doch dein Kopf kann der Endgegner sein. Wenn dein Körper an seinen letzten Kräften zehrt, vermag nur noch der Kopf dich ins Ziel zu tragen. Louisa hatte es bereits vorgemacht – und wie in vielen anderen Situationen hatte sie recht. Mit genügend Inspiration im Sattel widmete ich mich also meiner 21,1 KM-Liste, die mich mental ins Ziel bringen sollte, wenn ich kurz davor sein sollte, aufzugeben.

Kilometer 1: Laufe ich für die Sommerfigur. Denn deswegen habe ich ursprünglich mit dem Laufen begonnen. Ich war meine eigenen Ausreden leid, warum ich die 10 Kilo zu viel immer noch mit mir rumschleppe. Hatte mein eigenes Genöle so satt, wenn ich mal wieder nicht in die Hose passte. Bei vier Läufen die Woche purzelten in 12 Wochen auch einige Fettpölsterchen. Am Ziel bin ich noch nicht, deswegen kommt dieser Gedanke an Kilometer 1.

Kilometer 2: Laufe ich für und dank Lou. Ohne diese krasse Rakete wäre ich nicht zurück im Wettkampf-Modus. Hätte meinen Biss nicht zurückgefunden, sondern würde ihn immer noch suchen. Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen. Du bist eine ganz besondere davon. Wahrscheinlich sehe ich gerade nur deine Staubwolke und hechele dir mühsam hinterher, aber wir sehen uns nachher im Ziel.

Kilometer 3: Sandra – dieser Kilometer ist für dich! Du hast mich eine Bossy Bitch genannt und mit mir den Weg in die Freiheit angetreten. Unsere ganz persönliche Interpretation von Glück. Ich kann es nur mit deinen Worten sagen: „Ohne dich würde ich das nicht schaffen. Ohne dich hätte ich das letzte Jahr nicht so geschafft, wie ich es habe. Danke! Für alles was war. Für alles, was noch kommt.“ Unsere Dates in der Cutter-Küche werden legendär bleiben.

Kilometer 4: Laufe ich für meine zwei Mädels zu Hause. Für die vielen Abende auf eurer Couch, dabei euer Essen futternd, obwohl ich keinen Hunger hatte. Für viele Umarmungen, Tränen, unvergessliche Abende und Telefonate mitten in der Nacht. Ihr zwei als meine Familie, die ich mir aussuchen durfte. Caro und Helen – beobachtet in den nächsten Tagen eure Briefkasten ganz genau.

Kilometer 5: Für meine (baldigen) Fotografinnen – Sandra und Caro. Caro gerade erst frisch kennengelernt, aber gleich verzaubert von diesem erfrischenden Wirbelwind. Ich freu mich auf ganz tolle gemeinsame Shootings! Und Sandra, meine Standup-Fotografin, ich liebe bis heute die Fotos aus Unterföhring. Danke, ich vermisse dich!

Kilometer 6: Kilometer 6 gehört euch, meinen Lesern. Mit round about 1500 Followern wage ich es nicht, von einer Community zu sprechen. Aber ich habe herzlich gelacht, als eine Leserin von den „Laura-Leutis“ sprach. Nicht im Traum hätte ich gedacht, dass ich mal so viele tolle positive und aufbauende Worte und Unterstützung von euch bekomme. Ich liebe es, täglich von euch zu hören und festzustellen, dass ich mit meinen Gedanken nicht alleine auf der Welt bin. <3

Kilometer 7: Diese 1000 Meter stehen für die Erkenntnis, dass ich noch lange nicht am Ende bin. Weder bei diesem Halbmarathon noch mit meinen Träumen. Ich hab noch viel vor.

Kilometer 8: Diesen Kilometer widme ich einer ganz besonderen Person, ohne die ich heute nicht hier wäre – buchstäblich. Der hier ist für meine Mum. Man mag meinen, es wäre dein Job hinter mir und meinen verrückten Entscheidungen zu stehen, aber dennoch haust du mich jedes Mal vom Hocker mit deiner Liebe und Unterstützung.

Kilometer 9: Dieser Halbmarathon ist nicht nur voll mit Gedanken an tolle Menschen und Situationen, sondern auch in dankbarerer Stimmung meiner Wahlheimat München. Den Sprung ins kalte Wasser hatte ich nötig. Diese Stadt hat mich stärker gemacht, erwachsener irgendwie.

Kilometer 10: Eva, dieser Kilometer gehört dir! Du bist die beste Kollegin, die man sich wünschen kann. Unsere Sleepover waren der beste Zeitvertreib. Danke auch, dass du mich aufgenommen hast, als ich kein Dach über dem Kopf hatte. Ich bin so froh, in dir eine Freundin gefunden zu haben. Und einen genauso großen Biggest-Loser-Fan wie mich.

Kilometer 11: Laufe ich für jeden Menschen, der nicht hinter mir oder meinen Entscheidungen steht. Denn da draußen gibt es einige von euch, manche mitten unter meiner Familie. Doch das schreckt mich nicht zurück, mit jedem Gegenwind werde ich nur stärker.

Kilometer 12: Widme ich jeder dunklen Stunde. Es gibt euch, ich kann es nicht leugnen: Ihr seid Freund und Feind zugleich. Ein Teil von mir. Ich kämpfe jeden Tag, euch nicht die Überhand zu lassen und seit diesem Jahr funktioniert das erstaunlich gut.

Kilometer 13: Laufe ich für das Gefühl von Freiheit. Die meiste Zeit meines Lebens fühlte ich mich wie ein kleiner eingesperrter Vogel, der jetzt langsam das Fliegen lernt.

Kilometer 14: Für alle anderen Läufer des Hella Halbmarathons und jeden Freiwilligen. Nur mit euch macht dieser Wettkampf wirklich Laune.

Kilometer 15: Das Leben ist zu kurz, um normal zu sein. Sei verrückt. Darüber darf ich jetzt einen Kilometer lang nachdenken.

Kilometer 16: For my love, my dear sweet love. Du schenkst mir den größten Rückhalt, küsst mich auf die Stirn, wenn ich nicht weiter weiß und zauberst mir stets ein Lächeln ins Gesicht. Danke fürs Aushalten von nun mehr knapp vier Jahren.

Kilometer 17: Steht für jede einzelne Trainingsrunde durch den Englischen Garten mit dir auf meinen knallroten Fahrrad. Vorbilder für viele Sonntagsspaziergänger, du motiviertest mich, mein Engel, noch 10 Minuten länger durchzuhalten. Und ertrugst mein Gezeter geduldig.

Kilometer 18: For my special love – Dem Essen nach dem Training. Ich kann es kaum erwarten, ins Ziel zu kommen.

Kilometer 19: Widme ich jedem einzelnen ausgefallenen Training. Jeder Verletzung, jeder Erkältung oder Magenverstimmung, die mich vom Laufen abhielt. Trotzdem bin ich jetzt hier. Das alles konnte mich nicht stoppen, auch jetzt laufe ich mit angeschwollener Kapsel. Ich hoffe, dass ich es soweit am Sonntag schaffe.

Kilometer 20: Dieser Kilometer steht für meinen ersten Halbmarathon 2013 in Wolfsburg. Mit vielen Gehpausen, einer Zeit von 02:27:08 und unglaublich herausragenden Mit-Wettkämpfern (einer Rentnertruppe, die mich überholte) wird mir dieser Lauf für immer im Gedächtnis bleiben.

Kilometer 21: Geschafft, endlich im Ziel! Doch hier hört es noch lange nicht auf – diese letzten Meter bedeuten für mich den Start in ein neues Leben. In den letzten Monaten krempelte ich es komplett um, stellte es auf den Kopf, alles ist neu. Auch wenn der Startschuss schon längst gefallen ist – in diesem Lauf manifestiert sich mein Weg ins Neue. Ins Unbekannte.

Halbmarathon München Sportverletzung Halbmarathon

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3 comments

21 Kilometer und Gedanken – Birthisleben Juni 24, 2017 at 3:30 pm

[…] Strecke und den gesamten Lauf besser genießen kann als letztes Jahr, habe ich mir bei der lieben Laura und der Lou einen kleinen Trick abgeschaut, den ich heute hier mit euch teilen will […]

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Lisa Juni 23, 2017 at 5:44 pm

Sehr schön geschrieben. Ich drücke dir die Daumen, dass du alle deine Ziele erreichst. Du bist eine wahre Motivation 😄

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Laura Juni 23, 2017 at 11:49 pm

Oh Lisa! Danke dir <3

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