Mein Kopf darf nicht leer sein.

März 28, 2017
Kopf aus - Welt an
WENN MEINE GEDANKEN ANHALTEN – DAS HALTE ICH NICHT AUS

Sportschuhe an den Füßen, Spotify-Playlist im Ohr, Trainingssachen zurecht gezogen, den Olympia-Park anvisiert – so stand ich vergangenen Samstag zu meinem Wochenendlauf bereit. Kaum 800m gelaufen, den ersten Hügel erklommen – und ich drehte um. Irgendwie zornig. Ich hatte bereits vor dem Lauf nicht die beste Laune. Doch als ich bei sonnigen 16° Celsius all die gut gelaunten Menschen im Park sah, konnte ich all das nicht mehr aushalten. Meinen Gedanken nicht weiter standhalten und musste gezwungenermaßen den Rückzug antreten. Ein Schande, ein Schlag ins Gesicht für mich. Da war er wieder, der Hass auf mich.

Leere in meinem Kopf ist ein Zustand, den ich momentan nicht ertrage. Freie Zeit ist etwas, was ich mir nicht gönnen kann. Denn freie Zeit bedeutet, faul zu sein, nicht weiter an seinen Träumen zu arbeiten. Was wiederum völliger Schwachsinn ist. Weil man auch Hin und Wieder Abstand zu seinen Träumen braucht, um sie von neuem anvisieren und angehen zu können. Das geht aber nicht, wenn man an 10 Träumen gleichzeitig arbeitet. Denn gönne ich mir ein wenig Ruhe von dem einen, steht der andere schon mit scharrenden Hufen an der Tür. Abstand von dem einen bedeutet Arbeit an dem anderen.

Ich habe so viel Unruhe und Rastlosigkeit in mir, was von Zeit zu Zeit in Zorn umschlägt. In unbändigem Zorn auf mich. Weil ich noch mehr tun könnte. Die Serienabende auch noch kippen könnte. Endlich die scheiß Zuckersucht besiegen könnte. Die ist aber die einzige Waffe, die ich noch gegen den Zorn habe. Einfach essen, den Zorn runterschlucken. Ein Teufelskreis, weil ich mein Spiegelbild nicht weiter ertrage. Es so einfach sein könnte, einen Schlussstrich unter meiner Fettschicht zu ziehen. Ich dafür aber nicht stark genug bin – irgendwoher schließlich meine Energie ziehen muss.

MEIN KÖRPER BENÖTIGT EIN UPDATE

Louisa hat es einmal so passend formuliert. Dem schließe ich mich an. Nur in einem anderen Kontext als sie. Denn in meinem Kopf stelle ich mir vor, dass, wenn ich genug mit Ernährungsplänen und Sportvorhaben zu tun habe, meine Gedanken einfach weiter kreisen. Kein Stillstand in Sicht ist. Ich einfach weiter machen kann in meinem kleinen Hamsterrad. Bloß keine Zeit zum Nachdenken zulassen. Ich darf das alles jetzt nicht in Frage stellen, sonst bricht mein schönes kleines Kartenhaus zusammen. Und unter all diesen Gedanken bleibt die Frage im Raum, ob mit 10 Kilo weniger auf den Hüften, wirklich so vieles leichter wäre. Eine Frage, die ich nicht so schnell beantworten werden kann. Die mir wie eine Ausrede vor dem Gesicht klebt, weiter Scheiß in mich rein zu schaufeln. Und weil ich schon so lange versuche, meinen verdammten Zuckerkonsum in den Griff zu bekommen, es aber nicht so recht klappen will, gehe ich noch einen Schritt weiter, um wenigstens kleine Erfolge zu sehen.

MEINE FÄHIGKEITEN BENÖTIGEN EIN UPDATE

Vorige Woche habe ich mit Handlettering begonnen. Dank einer guten Freundin überhaupt darauf gestoßen und gleich zu einem kleinen Workshop mitgenommen worden. Es war einer der zwei besten Abenden meiner letzten Woche (schaut unbedingt bei redpanda.design vorbei). Ich muss das Gefühl haben, etwas mit meinen Händen zu erschaffen. Muss ein Werk in voller Gänze betrachten können, damit ich nicht verrückt werde.

MIR FEHLT DIE ZEIT UND DIE GEDULD

Wie immer. Bei diesem Charakterzug kein Stückchen voran gekommen. Dazu habe bei gewissen Projekten den Biss verloren, muss sie trotzdem weiter machen. Und ich will diesen Biss endlich zurück. Ich will alles und das jetzt sofort. Wie ein kleines Kind. Das sich auf den Supermarktboden schmeißt und nach Süßigkeiten schreit.

Gedanken vertreiben mit Handlettering

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5 comments

Es geht einfach nicht | Abschalten will gelernt sein | lila KEY - Lifestyleblog April 16, 2017 at 9:57 am

[…] Freie Tage kann ich immer noch nicht ertragen. Nur mit dem Unterschied, dass ich jetzt praktisch dazu gezwungen werde, diesen Zustand auszuhalten und mich mit ihm auseinander zu setzen. Ich kann mich weder konzentrieren noch körperlich austoben, bin dazu verdammt, mich der Stille und Ruhe um mich herum hinzugeben. Es ist beklemmend. Es mag schwer vorstellbar sein, wie ich ruhige, ungeplante Tage erlebe. Dass ich Herzrasen bekomme und am liebsten loslaufen möchte, um einfach etwas zu tun zu haben, und den Gedanken in meinem Kopf einen Streich spiele: „Nur noch einen weiteren Kilometer, eine weitere Abzweigung, ein weiteres Fahrtspiel.“ […]

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Claudia März 29, 2017 at 12:54 pm

Ohwei, das klingt mir nach ziemlich viel selbstgemachten Druck. Für mich selbst habe ich die Erfahrung gemacht, dass Druck mir nicht wirklich hilft, mir aber aufs Gemüt schlägt. Ich bin nunmal ne „Süße“, Zucker streichen würde mir schlechte Laune machen, also reduziere ich nur. Meine zehn in zwei Jahren angefutterten Wohlstandskilos dürften auch wieder weg, aber auch da setze ich eher auf kleine Veränderungen. Mehr Sport, aber flexibel. Und kleine Ziele, die mir immer wieder Erfolgserlebnisse bringen.

Ich wünsche Dir viel Sonne im Herzen 🙂

Liebe Grüße
Claudia

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Laura März 30, 2017 at 4:15 pm

Liebe Claudia,

du hast Recht, es ist sehr viel selbstgemachter Druck dabei. Aber vor allem deine Ansätze kleine Veränderungen mit kleinen Zielen, die Platz für Erfolgserlebnisse lassen finde ich toll. Danke, für deinen Kommentar und die virtuelle Umarmung!

Lieben Gruß,
Laura

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Sarah & Gerald März 28, 2017 at 12:41 pm

Du Liebe <3 Wenn wir deine Gedanken lesen, dann können wir genau nachvollziehen wie du dich gerade fühlst. Zu deinen Worten fällt uns die folgende Geschichte ein:

Ein junger Mann suchte einen Zen-Meister auf, um ihn zu fragen: "Meister, wie lange wird es dauern, bis ich Befreiung erlangen werde?"
"Vielleicht zehn Jahre," entgegnete der Meister.
"Und wie lange dauert es, wenn ich mich besonders anstrenge?", fragte der Schüler.
"In diesem Fall kann es zwanzig Jahre dauern," erwiderte der Meister.
"Ich will so schnell wie möglich ans Ziel gelangen und bin bereit, wirklich jede Härte auf mich zu nehmen," beteuerte der Mann.
"Dann kann es bis zu vierzig Jahren dauern," erwiderte der Meister.

Fühl dich von uns gedrückt! Es ist okay loszulassen… Ruhe bedeutet nicht faul zu sein, sondern nur mit geschärften Verstand genau die Energie dort einsetzen zu können wo du sie am meisten benötigst. Und wenn du mal in Berlin bist schreib uns vielleicht vorher an, dann können wir vielleicht mal einen Kaffee trinken gehen?! Wir würden uns freuen 🙂

Liebe Grüße
Sarah & Gerald

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Laura März 30, 2017 at 4:17 pm

Sarah, Gerald!
Wie schon in meiner Nachricht – auch hier noch einmal gesagt: Tausend Dank für diese Kurzgeschichte und das liebe Angebot! Wie gut, dass ich dieses Jahr noch öfters nach Berlin komme 🙂
Ich freue mich auf euch und lese bis dahin gespannt all eure Blogeinträge und inspirierende Insta-Posts – ich kleines Fangirl 😀
Loslassen und Ruhe, das sind die zwei Dinge an denen ich noch sehr viel mehr arbeiten muss als an all den anderen Projekten. Danke für die Erinnerung und die lieben Worte.

Lieben Gruß,
Laura

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