Lange nicht gesehen

Februar 26, 2017

Das fühlt sich an wie unterzugehen. Das ist kein Ertrinken… Ertrinken ist ein furchterregender, verzweifelter Kampf zurück an die Oberfläche zu gelangen. Du denkst, du hättest noch immer eine Chance, sie zu erreichen. Untergehen aber bedeutet, zu akzeptieren, dass egal wie unnachgiebig du schwimmst oder wie lange du denkst, deinen Atem anhalten zu können und gegen dein Schicksal ankämpfst, du doch niemals mehr die Oberfläche erreichen wirst.

Also lässt du es bleiben.

Der Druck des kalten Wassers ist einladend. Taubheit erreicht dich. Kein weiterer Schmerz. Keine weiteren Kämpfe. Keine Angst. Nur Schlaf.

WIE ERKLÄRE ICH DIR DAS IN WORTEN, DIE DU VERSTEHST?

Gut siehst du aus. Und das gefällt mir nicht. Alte Geschichten kommen hoch und ich versuche noch, sie gewissenhaft zu ignorieren. „Lange nicht gesehen“, sagst du und ich hatte doch echt noch gedacht, es würde nie wieder dazu kommen.

Traurigkeit, willkommen mein alter Freund. Und oh, du hast die Hilflosigkeit im Gepäck, wie schön. Nicht. Ich habe es euch bereits gemütlich gemacht. Mein Haus ist dein Haus, wie gern ich dich doch rausschmeißen würde. Die Kraft habe ich nicht, du bist auf dem Siegeszug. Eingenistet hast du dich, lässt dich nicht so leicht abschütteln. All die hilflosen Versuche dich loszuwerden, haben letzten Endes doch nichts gebracht. Du bist hier Zuhause, keiner kann dir das nehmen.

Den Platz musst du dir mit Dunkelheit teilen. Doch das stört dich nicht. Seid langem seid ihr die besten Freunde, habt mich nur als euren Wirt akzeptiert. Verkuppelt habe ich euch damals, ohne auch nur zu ahnen, welch Untergang mir bevorstehen würde. Täglich zerrt ihr an meinem Innern, immer mit den Wettscheinen in der Hand, wann es mich denn endlich (!) zerreißen würde. Der Einsatz ist hoch, jeder Spieler hat sein Pokerface aufgesetzt. Nur ganz hinten rechts, von der Dunkelheit fast gänzlich verdeckt, erstrahlt das Exit-Schild. Immer wieder blitzt es am Rande auf, doch hindurch zu schreiten, das traut sich niemand zu, da bisher noch keiner der verschwundenen Mitspieler zurückkam von dort. Also gibt es tausende Gerüchte, aber keine wahren Geschichten mehr.

DU KANNST VOR ALLEM DAVON LAUFEN, WAS HINTER DIR HER IST. ABER WAS IN DIR IST, HOLT DICH IMMER WIEDER EIN.

Der Alkohol fließt in rauen Mengen, alles, was die Meute bei Laune hält wird heute serviert. Er betäubt sehr zuverlässig ihre Gedanken. Ziemlich bald wird das alles hier in die Luft fliegen, der Zeiger tickt laut in seinem immergleichen Takt. Manchmal lernt man Menschen kennen, bei denen man sich echt fragt, wo sie bis jetzt geblieben sind. Und warum sie nicht dort geblieben sind. Du bist dieser eine Mensch für mich. Personifiziert und glorifiziert durch jahrelange Übung mit dir.

Egal, wie lange man versucht, perfekt zu sein. Das böse Mädchen kommt irgendwann wieder zum Vorschein. Diese Welt ist also ungefähr so stabil wie ein Kartenhaus.

„Ugh“, sind die einzigen Worte, die ich noch für dich übrig habe. Zu mehr reicht es nicht. Also ergebe ich mich dir und deinem Wahnsinn stumm.

Dunkelheit


This feels like sinking. Not drowning… Drowning is a terrifying, desperate fight to get back to the surface – you still think you have a chance of reaching.

Sinking is accepting the fact, that no matter how hard you swim or how long you think you can hold your breath and fight your fate, you’ll never reach the surface again. So you let it go.

The pressure of the cold water is inviting. The numbness.

No more pain, no more struggles. No more fear, just sleep.

beautiful. numb. drifting slumber.

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2 comments

Mit dem Halbmarathon direkt in ein neues Leben | lila KEY Juni 22, 2017 at 9:13 pm

[…] 12: Widme ich jeder dunklen Stunde. Es gibt euch, ich kann es nicht leugnen: Ihr seid Freund und Feind zugleich. Ein Teil von mir. Ich […]

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Woher schöpfst du deine tägliche Energie? | lila KEY März 2, 2017 at 5:40 pm

[…] noch anfangs dieser Woche schrieb ich darüber, wie sehr mich die Traurigkeit und Dunkelheit wieder gefangen halten. Ich ließ meinem Gedankenchaos freien Lauf, weil ich so die Chance hatte, […]

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