Klatschtante

Februar 17, 2016

Liebe Klatschtante,

mein Herz rast unglaublich, jeder Herzschlag erschüttert jede einzelne Pore in mir.  Mit jedem Atemzug werde ich wütender, mit jeder Zeile, die ich schreibe, enttäuschter. Erinnerst Du dich, liebe Klatschtante, wie ich vor einem Monat weinend in Deinem Büro saß? Was habe ich da gesagt? Ich bat Dich darum, mich in Ruhe zu lassen. Ich bat Dich darum, mich meinen Weg gehen zu lassen. Unter Tränen bettelte ich darum, all den Kämpfen, Gerüchten und Geschichten endlich den Rücken kehren zu dürfen. Du hast geschaut, gelacht und nicht verstanden. Anstatt mir das Gefühl zu geben, gehört zu werden, starrtest Du mich nur ungläubig an, warst Dir keiner Schuld bewusst. Dabei hast Du mich nicht nur ins Messer laufen lassen, nein, Du hast es mir auch noch in den Rücken gerammt und umgedreht.

Jetzt stolzierst Du durch die Welt und erzählst bunte Geschichten, deren Wahrheitsgehalt ungefähr so hoch ist wie Deine Manieren und Moral. Sie liegt bei Null. Du hast den Nullpunkt, nein den Tiefpunkt in Deinem Leben erreicht. Scharrst ein Gefolge von Unwissenden um Dich herum, immer auf der Suche nach neuen hungrigen Mäulern, die Du mit Deinen Lebensweisheiten stopfen willst. Sie folgen Dir leichtsinnig, jung und dumm wie sie sind. Dabei sind deine Lebensweisheiten vergiftet von Depression, Angst, Wut und Trauer. Du bist verbittert. Kannst kein Licht am Ende des Tunnels sehen. Warum sonst wärst Du zu solch Taten fähig? Du bist ein Mann voller Leere, das Leben hat Dir übel mitgespielt. Aber heißt das, dass Du das Leben anderer beschmutzen musst?

Woher ich weiß, dass Du immer noch redest? Woher ich weiß, dass du die Vergangenheit nicht ruhen lassen kannst und immer tiefer in den Geschichten anderer bohrst, die nicht die Deine sind? Die Wände haben Augen und Ohren, kleine Vögelchen zwitschern durch die Welt, ganz unbedarft und unbekümmert werfen sie die Bomben auf mich ab, sodass mich Deine Schüsse treffen, hochnäsige Klatschtante.

Es war nicht immer so zwischen uns. Lange hast Du geprahlt, ein anständiger und höflicher Mann zu sein. Davon ist nichts mehr zu erkennen, ich suche vergeblich danach. Es gab eine Zeit, da habe ich jedes Wort von Dir geglaubt und aufgesaugt. Du warst mein Leher, ich Deine Schülerin. Ich war so geblendet von Deiner Wortwahl, Deinem Witz und Deiner Weltsicht. Lange habe ich nicht gemerkt, welches Spiel Du wirklich treibst. Ich bin Dir in den dunklen Wald gefolgt, ohne zu ahnen, dass mich ein Irrweg nach dem anderen heimsuchen würde.
Unsere Verbindung, das Verständnis füreinander haben wir beide zu Grabe getragen. Ich war nicht länger stark genug, die Schikanen, die endlosen Märchen, die Machtspiele unter Euch zu ertragen. Also haben wir alles beerdigt, was uns zusammenhielt. Ich bin gegangen. Das Gleiche hättest Du auch tun sollen. Doch anstatt weiter zu machen, das Leben neu zu starten und sich in neue Abenteuer zu stürzen, wagst Du es in den alten Ruinen unserer Geschichte herum zu geistern und Dein Unwesen zu treiben. Das ist armselig. Anstatt mich in Ruhe zu lassen, versuchst Du durch Deine lächerlichen kleinen Geschichten meine Abwesenheit zu ersticken, versuchst einen Teil von mir immer wieder aufleben zu lassen und wenn es nur über eine Deiner alten Geschichten sein sollte.

Es bleiben zwei Optionen: Entweder in die Offensive und in die Konfrontation gehen oder drüber stehen. Ersteres würde Dir gefallen, das weiß ich. Wenn ich meine Fassung vor Dir verliere, blühst Du erst richtig auf. Wenn ich meiner Bestürzung Ausdruck verliehe, schöpfst Du nur noch mehr Kraft daraus. Du liebst es nicht nur, Menschen zu analysieren, sie zu manipulieren, mit ihnen zu spielen und sie dann weg zu werfen, nein, Du liebst es auch darüber zu tratschen. Du stellst keine Tatsachen fest, sondern versuchst, Existenzen zu zerschmettern. Und dabei schämst Du Dich nicht mal ein kleines bisschen, sondern versteckst Dich in den dunkelsten Stunden hinter Deinen Büchern, versuchst Antworten auf Dein lächerliches Leben zu finden, was Du gerade gegen die Wand fährst. Meine Worte mögen Dir jetzt vielleicht unfair vorkommen, aber jeder hat so seine eigene Wahrheit, seine subjektive Sicht auf die Dinge, das durfte ich von Dir lernen. Wenn Du wenigstens nur über mich tratschen würdest, aber nein, Du ziehst über meine Liebsten her. Da hört der Spaß auf.

Ich bin sauer, ich bin wütend, ich bin enttäuscht, und vor allem bin ich perplex von Deinem losen Mundwerk. Ich könnte schreien, zittern, Sachen kaputt machen, meilenweit rennen und mich verstecken. Ich könnte Dich in Verlegenheit bringen und vor aller Welt anschreien. Und dann? Würde es mir besser gehen? Würde ich Deinetwegen aus meiner Haut fahren und Dir auch nur eine kleine Emotion schenken? Einen Löwen interessiert es nicht, was Schafe über ihn denken.

Ich werde nichts davon tun. Ich werde Dir nicht die Befriedigung verschaffen, nach der Du schon so lange vergeblich suchst. Ich werde nicht zum Gegenschlag ausholen, weil ich weiß, dass Du nicht anders kannst. Zu tratschen ist das Einzige, was Dir noch geblieben ist. Du tust mir leid und ich habe Mitleid mit Dir. Ich verzeihe Dir diese kindische Art und hoffe, Du wirst irgendwann erwachsen genug sein, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und Dich mit Leuten in Deinem Alter abgibst. Spiel dein Spiel weiter, irgendwann wirst Du merken, dass niemand mehr Lust hat, diesen Weg gemeinsam mit Dir zu gehen.

Klatsch Schnee


Mantel – Orsay
Strumpfhose – H&M
Schuhe – Street

 

Mehr Lesefutter

5 comments

Liebe Klatschtante, Du tust mir nicht gut. Verschwinde. | lila KEY Januar 24, 2017 at 7:55 am

[…] Hier kommt ihr zum ersten Teil der Geschichte: Du hörst einfach nicht auf. […]

Reply
Sina Februar 19, 2016 at 10:59 am

Und ich dachte immer Frauen seien die größeren Lästermäuler…
P.s.Deine Art zu schreiben ist der Wahnsinn!💕

Reply
Laura Februar 19, 2016 at 11:02 am

Danke, du Liebe! <3

Reply
Gabriele Februar 18, 2016 at 7:39 am

In meinen Augen, ist dieses etwas nicht mal ein Wort von dir wert. Der hat weder deine Worte, noch deine Aufmerksamkeit verdient. Lass ihn gegen Wände rennen, dann merkt er, was er davon hat.

Reply
Laura Februar 18, 2016 at 8:23 am

Liebe Gabriele,

Danke dir für die aufbauenden Worte! Dass ich keinen Gedanken oder auch nur ein Wort an diesen Menschen weiterhin verschwenden sollte, habe ich anfangs auch gedacht. Ich verarbeite Dinge nur besser, wenn ich sie niederschreibe. Damit schreibe ich die Gedanken quasi aus meinem Kopf hinaus. Und wie schon Rosenberg in der Gewaltfreien Kommunikation gesagt hat: „Die Beschreibung von eigener Emotion ist unangreifbar.“

Reply

Leave a Comment

*