Ich funktioniere nur unter Druck. Kann mich mal jemand drücken?

Dezember 16, 2016

Fragen-Freitag #8

Es gibt keinen unangenehmeren Zustand als Langeweile. Nichts zu tun zu haben und vor sich hin zu siechen. Keine Aufgabe zu haben, bloß mit dem Strom zu schwimmen und langsam dahin zu kriechen. Größter Feind – die laut tickende Uhr im Hintergrund. Mit jedem nervtötenden Klacken erinnert sie dich daran, dass wieder eine ungenutzte Sekunde Leben dahin ist. An dir vorbeigeflogen, winkend, hämisch grinsend.

Tick, tack – was hast du bis jetzt geschafft?!

Nervös räumst du deine Zettel von links nach rechts, sortierst Ordner und klickst dich durch diverse Excel-Tabellen. Trittst nicht nur von einem Fuß auf den anderen, nein, du trittst auf der Stelle. Deine Aufgaben sind erledigt, deine acht Stunden noch lang nicht voll. Nach mehr hast du bereits gefragt, doch das mehr ließ auf sich warten. Machst die Suchmaschine ein x-tes Mal auf an diesem Tag, suchst und suchst und suchst, aber eigentlich weißt du gar nicht nach was. Jeden Artikel von Spiegel online kannst du mittlerweile auswendig, fühlst dich informiert und doch tausendfach schlechter.

Tick, tack – merkst du nicht, wie das Leben über dich lacht?!

Du hast dir ein anderes Leben ausgemalt, damals mit süßen 16 noch in deinem Zimmer mit den Postern an der Wand. Die sind mit der Zeit alle verblasst, so wie deine Träume letztlich auch. Eigentlich steckt dein Kopf voller Ideen, wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär. Dir fehlt ein Ziel, ein direktes Vorhaben, willst  irgendwie ein bisschen ausbrechen und sehnst dich dann im Innersten doch so sehr nach Sicherheit. Willst dich vom Stuhl erheben und den nächsten Flieger nehmen. Willst den Schreibtisch hinter dir lassen und deine kleine Welt verlassen. Doch trauen tust du dich letzten Endes nicht.

Tick, tack – was hast du dir dabei gedacht?!

Also sitzt du weiterhin auf deinem Stuhl, still und leise, starrst den Bildschirm an. Noch vier Stunden durchhalten, dann ist ein weiterer Tag geschafft. Man hat dir zu viel Freiraum gelassen, du weißt nichts damit anzufangen. Kaust nervös auf deinen Fingernägeln, scharrst mit den Füßen, weißt weder vor noch zurück. Hätte, wäre und könnte sind deine besten Freunde. Eine Ausrede hast du immer parat, um nicht dumm da zu stehen. Aber natürlich weißt du, dass du mehr könntest. Nach mehr hast du gefragt, doch das Meer ließ auf sich warten.

Tick, tack – was muss ich tun, damit du es endlich raffst?!

Ein neuer Tag, der PC ist längst hochgefahren und du öffnest das Internet. Machst die üblichen Seiten auf und klickst dich durch ein zwei interessante Spiegel online-Artikel. Du fühlst dich gehetzt, doch hast eigentlich keinen Grund dafür. Alle Stifte sind angespitzt, deine Zettel fein säuberlich abgelegt. Einen Einblick in deinen Kopf hinein – den braucht es nicht. Es ist ja nicht so, dass dort etwas bemerkenswertes passieren würde. Außer der Frage, was du anstellen sollst mit deinem Leben voller Leere.

Tick, tack – wie weit hast du es gebracht?

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Fotos | Sandra Niederlöhner
Bluse | Zara
Uhr | Oozoo

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6 comments

Ich erlaube mir noch einen letzten Gedanken an Dich | lila KEY Mai 15, 2017 at 7:20 pm

[…] „Nein“ akzeptierst du nicht. Notfalls machst du dich auch nackt. Hast bereits nach „mehr“ gefragt, doch das Meer ließ auf sich warten. Erklär mir die Welt, mein Freund. Erklär mir die Welt. Panik ist eine primitive […]

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Ich zerbreche an einem Mann, der schwächer ist als ich | lila KEY Februar 1, 2017 at 11:17 pm

[…] Kilometer: Trittst nicht nur von einem Fuß auf den anderen, nein, du trittst auf der Stelle. […]

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Katta Dezember 16, 2016 at 11:10 pm

Ich kenne das Gefühl auch leider zu gut, versuche aber so gut wie möglich damit meinen Alltag zu meistern ohne daran kaputt zu gehen!

Allerliebste Grüße,
HOLYKATTA || INSTAGRAM || FACEBOOK

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Laura Dezember 17, 2016 at 6:43 pm

Genau die richtige Einstellung. Ich finde, man darf sich dem für eine Sekunde hingeben, weil man nur so merkt, dass man eigentlich mehr könnte. Trotzdem muss man sich irgendwann zusammenraffen und weitermachen. Nicht stillstehen und einen Ausweg aus dem Ganzen suchen, sonst macht das einen kaputt. Lieben Gruß, Laura

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Dorie Dezember 16, 2016 at 4:30 pm

Schöner Beitrag, ich kenne das Gefühl und die Fragen nur zu gut.
Liebe Grüße, Dorie
http://www.thedorie.com

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Laura Dezember 17, 2016 at 6:44 pm

Ich danke dir! Ich hoffe, dass auch wenn du die Fragen kennst, dich nicht in ihnen verlierst. Lieben Gruß, Laura

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