Hella Halbmarathon – Vom Gelegenheitssportler zum Runner

Juni 25, 2017
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ZWEI STUNDEN UND ACHTZEHN SEKUNDEN, NETTOZEIT

Diese Zahl sollte am Ende meines Halbmarathons stehen. Vor der ganzen Veranstaltung hatte ich davon natürlich noch keinen blassen Schimmer. Im Januar für den Hella Halbmarathon angemeldet, sollte es nun gemeinsam mit der Runningsquad Hamburg an den Start gehen. Das Gruppenbild im Kasten, letzte Motivation von Trainerin Lou und Stef am Start und schon flossen die ersten Tränen. Tränen der Aufregung, Freude und Respekt vor den bevorstehenden 21,095 Kilometern. Ich weiß, ich hatte genug Probeläufe und Training, trotzdem sollte heute ein unglaublich emotionaler Tag werden. Auch letzte Zweifel, ob mein Knöchel alles durchhält, machten sich breit.

Der Anfang verlief besser als gedacht, bei knapp über 10.000 Läufern hatte ich dann doch Sorge, es würde holprig werden. Die ersten 6 Kilometer liefen Lou, Stef und ich in einer Pace von 05:19 – ein Durchschnitt von 05:40/Kilometer hätten ausgereicht, um den Lauf unter zwei Stunden abzuschließen. Ab da an hatten sich dann auch meine Augenbrauen verabschiedet. Augenbrauenlos, voller Schweiß, aber mit Motivation im Gepäck ging es weiter voran. Bis Kilometer 10 bekam ich nicht wirklich mit, WIE schnell wir waren. Die Atmung blieb entspannt, das Lächeln ins Gesicht gemeißelt. Doch dann traten wir Kilometer 11 und damit die „zweite Runde“ an.

„ERSTE RUNDE KRÄFTE SPAREN, ZWEITE RUNDE POWERN“

Das hatte mir mal ein Sportmediziner gesagt. Der gleiche, der meinte, ich solle am besten noch 8 Kilo abnehmen, damit ich optimale Ergebnisse erlaufen kann. Weder das eine noch das andere konnte ich einhalten. Beim Hella Halbmarathon wird es ab Kilometer 11 eng, also wechselte ich kurzzeitig auf den Fußgängerweg und überholte automatisch einige Läufer. Ein paar Meter vor unserer Dreier-Crew liefen andere fleißige Runner aus der Läufergruppe. Laut entfuhr mir ein „Wir sind ein…“, sie schrieen „Teeeam!“ und ich ließ mich ein, zwei Kilometer mitziehen. Größter Fehler überhaupt.

Plötzlich übermannten mich heftige Seitenstiche. Mein Zwerchfell kam gar nicht mehr klar. Schmerzend nach Luft holend musste ich stoppen. Beziehungsweise gehen. Eine Läuferin rief mir noch „Zeigefinger auf Daumen legen“ hinterher und zog dann an mir vorbei. Missmut machte sich breit. In diesem Moment passierten Lou und Stef wieder an mir vorbei. Die beiden entpuppten sich als absolute Rettungsengel, unter normalen Umständen hätte ich an dieser Stelle klein beigeben. Doch nicht so heute. Nicht mit Lou und Stef.

WENN DIR DER ATEM FEHLT, LAUF EINFACH WEITER

Sich nur auf die Atmung konzentrieren, ruhig Weiteratmen und alle anderen Gedanken verdrängen war jetzt die Devise. Schritt für Schritt verschlimmerte sich der Schmerz erst, bevor es wieder besser wurde. Nach Kilometer 12,34 schaute ich das erste Mal missgelaunt auf die Uhr. Ab da an war der Rest nur noch Kopfsache.

Langsam, aber stetig passierte ich Kilometer 13 und 14. Kilometer 15 wurde dann etwas ganz Besonderes dank unserem Cheering-Point. Ein großes Dankeschön nochmal an die Mädels fürs Warten, Zujubeln und die erfrischende und unglaublich leckere Wassermelone. Ihr seid neben Lou, Stef und Steffi (2. Deutsche beim Hella-Halbmarathon mit 01:20:50 und eine unglaublich inspirierende Frohnatur) meine ganz persönlichen Heldinnen. Kilometer 17,5 war der nächste Motivationspunkt mit unserem „Lauffotogott“ (O-Ton Louisa) Max Menning. Durchhalten, ein Fuß vor den anderen, du schaffst das.

Den letzten Kilometer lief ich mit Müh und Not. Eine letzte Gehpause wurde eingelegt (welche mich die Zwei-Stunden-Marke kosten sollte), ein letztes Mal tief durchatmen und das Ziel anvisieren. Ein ganz leichter kleiner Sprint war nur die letzten 50 Meter möglich. Danach wusste ich nicht, ob ich heulen oder lachen sollte. Eine alte Phrase, ich weiß. Mein Gesicht entschied sich für einen völlig kuriosen Gesichtsausdruck und Schnappatmung. Es war geschafft!

DAS FAZIT VOM HELLA HALBMARATHON

Läufst du auf Zeit, verlierst du leicht den Spaß an der Sache, schaust weniger nach rechts oder links. Der erste Halbmarathon wird immer was besonderes sein – Die Stimmung, das Feeling, die Leute, die Helfer, alles ist super neu und rosarot. Beim zweiten klopfte dann schon der richtige Ehrgeiz an die Tür. Von der Strecke habe ich nicht wirklich viel gesehen, vielleicht aber auch, weil es nicht viel zu sehen gab. Dafür aber eine umso tollere Laufbegleitung, ohne die ich definitiv nicht so eine tolle Leistung abgelegt hätte. DANKE – Lou und vor allem Stef! Meine Leistung ist euer Verdienst <3

WIE GEHT ES WEITER?

Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf. Welcher das allerdings wirklich wird, kann ich euch noch nicht sagen. Ich habe da aber schon ein, zwei nette und vor allem herausfordernde Ideen im Kopf. Fitness ist Alltag für mich geworden. Schöner Alltag. Blut geleckt zum Marathon habe ich nicht. Dafür war ich heute einfach wirklich zu geschafft im Ziel. Die nächsten Wochen werde ich die sehr langen Läufe in längere Läufe umwandeln, dazu eine Trainingseinheit Sprints einbauen sowie 2-3 Krafttrainings. Dauerläufer gegen TRX-Anfänger eintauschen sozusagen. Der Hintergrund: Ich möchte meinen schönen Booty zurück. Und ein wenig mehr die Muskeln aufbauen, die ich gerade erst kennenlernen durfte.

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