Glasperlenspiel | Umzugs-Vlog

März 6, 2016

„Sich einem Menschen anzuvertrauen, ist im Grunde wie ein Spiel, bei dem man entweder alles verliert oder alles gewinnt. Der andere ist immer der Gegner und genauso muss man ihn auch behandeln. Kein Spieler legt seine Karten offen auf den Tisch. Er behält sie in der Hand und wählt aus, welche er zuerst aufdeckt und welche er bis zum Schluss zurückbehält.“

Umzug #3

Es fällt mir schwer, mich in neuen Umgebungen einzuleben. Ich achte stets darauf, alles richtig zu machen, sage viel zu schnell „Ja, und Amen“. Jetzt kommt der Widerspruch: Ich bin eine fröhliche, offenherzige und extrovertierte Seele. Und jetzt das „Aber“: In neuen Gesellschaften ordne ich mich zunächst unter. Das gilt vor allem in Wohngemeinschaften. Mein Alphamännchen ist harmoniebedürftig und schnurrt wie ein Kätzchen, wenn man es füttert. Also irre ich umher, auf Zehenspitzen, immer darauf bedacht, nicht anzuecken. Jedem Streit aus dem Weg gehend, leise vor mich hin summend. Erst wenn ich angekommen bin, komme ich richtig aus mir heraus. Das mag unkompliziert klingen, ist es aber nicht. Das Einleben verlangsamt sich dadurch, ich mache es mir selbst schwerer.

Bin ich unsicher? Fehlt mir Selbstbewusstsein oder streune ich einfach nur umher, wie eine Katze, die ihr Zuhause verloren hat und in der neuen Gegend umher schleicht? Ja, nein, vielleicht, ich weiß es nicht. Fakt ist, ich habe eine sehr lange Zeit in einem Haushalt gelebt, in dem sich viel zu oft, zu intensiv und sehr laut gestritten wurde. Ich lauschte mit großen, heiß gewordenen Ohren hinter der Tür und hatte Angst, mein pochender Herzschlag würde mich verraten. Seit dieser Zeit hasse ich Streits und gehe ihnen aus dem Weg. Gebe schnell nach und denke mir meinen Teil. Bin nicht auf Konfrontation aus und wenn es doch mal passiert, dann mit einer Kälte in der Stimme und im Herzen, dass mir das Blut in den Adern gefriert.

Ich sollte Routine haben, mit neuen Umgebungen, dem Einleben, dem Unbekannten. Ich spüre sie jedoch nicht. Ich weiß, dass sich das legen wird und ich am Ende gar nicht mehr weg will. So war es beim letzten Mal auch. Ich trauere einfach noch. Ich trauere meiner kleinen Wohnung in der schönsten Straße Braunschweigs hinterher und meiner Crew. Ich wiege mich in Erinnerungen und habe Angst, Leuten auf den Schlips zu treten, will sie ihre Wege gehen lassen und mich nirgendwo „rein zecken“. Dabei tue ich das gar nicht. Ich bin willkommen. Also sollte ich in meinem Herzen Platz machen für all die neuen, aufregenden Dinge und Geschichten, die hier auf mich warten. Aber ja, ich habe Angst. Ich habe Angst, mich in eine neue Umgebung zu verlieben. Ich habe Angst davor, mich hier so wohl zu fühlen, dass ich nicht mehr weg will. Aber ich werde gehen müssen, das steht schon fest. Ich werde wieder einmal aufbrechen und einen neuen Platz in der Welt suchen, in der Hoffnung, dass es diesmal einer zum Bleiben ist. Also baue ich eine kleine Mauer, in der Hoffnung, sie würde eingerissen.

Ich will nicht mehr umziehen, will nicht mehr in Aufbruchstimmung sein. Aber vielleicht ist das mein Schicksal. Immer nur ein paar Monate am Stück an einem Ort zu verweilen, ihn mit Leben zu füllen und dann weiter zu ziehen. Ein Abenteuer nach dem anderen in Angriff nehmen. Ständig auf der Suche nach einem besseren Ort, einer, der mir passt.
Ich weiß jedoch, dass das ein Ende haben wird. Ich weiß zwar noch nicht genau, wann das sein wird. Aber ich weiß, dass es passiert. Nichts, was es sich zu haben lohnt, fällt einem in den Schoß.

Hier noch ein paar Impressionen von meinem Zimmer für die nächsten 4 Monate

EinrichtungKleiderstangeSchreibtischKistenCandlelightKette


Kette – I am
Oberteil – H&M

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5 comments

Life-Update #2016/17 | traum-a.de Dezember 30, 2016 at 8:59 am

[…] Louisa in die Hafenstadt. In Hamburg, so dachte ich, würde ich mehr als nur 2,5 Monate verweilen. Doch waren die Kisten gerade ausgepackt und auch das letzte bisschen verstaut, wurden sie schon wieder aus dem Keller gekramt und für den […]

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Marlene März 6, 2016 at 1:34 pm

Deine Einrichtung ist echt super schön und gemütlich! Trotzdem kann ich das, was du schreibst verstehen, ähnlich ging es mir auch schon, aber irgendwann findet man sein Zuhause 🙂 Ich mag deine Texte und bin froh, deinen Blog entdeckt zu haben.

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Laura März 6, 2016 at 5:39 pm

Liebe Marlene,
vielen vielen lieben Dank! Ich wünsche dir noch einen superschönen Sonntag <3

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Paula März 6, 2016 at 12:32 pm

Hallo!
Wieso bleibst du dort nur für 4 Monaten? Ich hasse Umzüge und habe nach 15 irgendwann aufgehört zu zählen 😀

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Laura März 6, 2016 at 5:39 pm

Liebe Paula,
15 Umzüge? Heftig! Der Freund meiner Mitbewohnerin zieht nach vier Monaten mit ihr zusammen. Ich bin hier nur zur Zwischenmiete
Beste Grüße

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