Es gibt keine Fehler, nur Lektionen

April 15, 2016

Fragen-Freitag #6

Was in deinem Leben bereust Du? Gibt es überhaupt etwas, das Du bereust?

Okay, ich gebe zu, die eine oder andere Sache in deinem Leben mag schlecht gelaufen sein, nahm ein mieses Ende oder ist dir immer noch peinlich bei dem Gedanken daran. Aber, bereust du es wirklich, den finalen Schritt gegangen zu sein? Ich finde, „bereuen“ ist so ein starkes Wort, genauso wie „hassen“. Es muss viel passiert sein, bevor du auf den Gedanken kamst, du könntest dieses oder jenes bereuen. Immerhin hat es dich dorthin gebracht, wo du heute bist. Aber vielleicht gefällt es dir nicht dort, wo du gerade bist. Vielleicht wünschst du dich zurück an den Ort und die Zeit, bevor das alles passierte. Ich verstehe das.

Es dreht sich jedoch nicht immer alles um das Gefühl des Bereuens, worauf du dich so beharrlich und unnachgiebig drauf stürzt. Wachstum ist ein Zwiegespräch zwischen Versuch und Irrtum (trial and error). Dabei sind Erfolge genauso wie Misserfolge gleich wichtig. Wie sollst du wachsen, wenn du dich stets in deinen geschützten mit Wattebäuschen ausgefüllten Kokon verziehst und die halbe Welt verfluchst?

Der Misserfolg sollte unser Lehrer sein, nicht unser Bestatter. Scheitern heißt Verzögerung, nicht Niederlage. Es ist ein vorübergehender Umweg, keine Sackgasse. Misserfolg ist etwas, das wir nur vermeiden, indem wir nichts sagen, nichts tun und nichts sind. – Denis Whitley

Bei einem Vortrag lernte ich eine Frau kennen. Sie war 30 Jahre älter als ich, sie war schön, klug und stark. Sie trug eine Falte in ihrem Gesicht, die ich immer wieder in Augenschein nahm, weil sie so auffällig und doch irgendwie am richtigen Platz war. Der Auftrag dieser Frau war es, uns etwas über die Leitung eines mittelständischen Unternehmens zu erzählen, doch in Wahrheit erzählte sie uns eine Geschichte über das Hinfallen und die Kraft, die jeder Sturz in ihr entfachte. Sie hatte auf einmal viele Fehlentscheidungen getroffen, erzählte sie, mit einem Lächeln im Gesicht. Früher hatte sie viel Geld besessen und sich keinerlei Sorgen um das Morgen machen müssen. Und auf einmal war alles anders.

Sie musste Insolvenz anmelden und ihr Baby, das Unternehmen, wurde ihr aus den Armen gerissen. Sie verfluchte alles und jeden, gab sich und dem Rest der Welt die Schuld an ihrem Scheitern, besonders diesem letzten schmierigen Deal, der ihr den Boden unter Füßen entrissen hatte. Auf einmal musste sie sich, anstatt um den Halbjahresabschluss, um ihr eigenes finanzielles Fiasko kümmern. Familie hatte sie keine, die sie unterstützen konnte, alles aufgegeben für die Karriere. Einzig und allein ihr abendliches Date mit dem Rotweinglas ließ sie an manchen Tagen aufstehen.

Tagtäglich gab es kein anderes Thema als die Insolvenz, es regierte ihr Leben. So vieles prasselte auf sie ein, von dem sie keine Ahnung hatte, Fristen, die sie verpasste, aus Unwissenheit und fehlender Hilfe. Woche um Woche schlug sie sich mit Bergen von Papier und ihrem Insolvenzberater um die Ohren. Nach Monaten der Aufarbeitung und Schadenbegrenzung fasste sie einen Entschluss, denn so konnte es nicht weitergehen. In ihrer alten Branche konnte sie nicht wieder einsteigen, sie hatte sich zum Gespött gemacht. Doch sie war Expertin auf einem ganz anderen Gebiet: Tagaus, tagein gab es kein anderes Thema als was? Ja, richtig ihre Insolvenz. Man hatte ihr alles genommen, doch ihnen ihren Verstand und auch noch ihren Mut zu überlassen, gefiel ihr gar nicht. Heute steht sie allen, die vor Bergen von Papier und verlorener Selbstachtung stehen, beratend und unterstützend zur Seite. Sie hatte eine Lektion gelernt, sie war wieder mitten im Spiel.

WARUM WIR NICHT BEREUEN SOLLTEN

Mit einem Blick zurück mag dieser Ausgang glasklar erscheinen. Für Menschen mit ganz anderen Lektionen mag die Geschichte dieser Frau einfach klingen. Die Quintessenz, die ich dir mitgeben möchte, bleibt dennoch die gleiche. Ich verstehe, wenn man bei bestimmten Situationen die Zeit zurück drehen und der Gegenwart einen anderen Beigeschmack verpassen möchte. Du weißt jedoch genauso gut wie ich, dass das nicht geht. Der Blick zurück, bringt dich nach vorn, das Verharren in der Vergangenheit jedoch nicht.

Also steh auf, klopf dir den Dreck von den Schultern und greif an. Sieh dem Leben direkt ins Gesicht und versuch es einfach nochmal. Und wenn es wieder nicht klappen sollte, noch einmal. Die Lektion wirst du nicht mehr rückgängig machen können, aber es liegt an dir, sie in etwas Wunderbares zu verwandeln.  Und vor allem: Bitte, bereu nichts, was du getan hast, während du glücklich warst. Auch wenn es dir jetzt in diesem Moment nicht gefallen mag, es war nie ein Fehler, es war immer eine Lektion.

Ich weiß, machmal klinge ich wie ein Glückskeks. Aber wenn sich auch nur das kleinste Gefühl in dir geregt hast, während du das liest, haben wir beide schon gewonnen.

Für die Neugierigen unter Euch warten hier noch die 10 Regeln des Menschseins. Man kann ihnen zustimmen oder widersprechen, sich darüber aufregen oder sie mit einem Nicken abtun, trotzdem sind sie meiner Meinung nach lesenswert.


Das war wieder ein Fragen-Freitag-Beitrag! Du willst auch Teil meines Blog werden? Dann lass mir einen Kommentar mit deiner Frage, einem Schlagwort oder einem Satz deiner Wahl da. Oder schreib mir eine E-Mail an kontakt@lilakey.de. Ich werde mich bemühen, jede Anfrage einzubinden. Fordere mich heraus und mach mit bei dieser Geschichten-Challenge!

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2 comments

Sabrina April 15, 2016 at 3:47 pm

Toller Text!! Du verfasst unheimlich tolle Beiträge auf deinem Blog! Mach weiter so und Alles Gute für deine BA!!👍🏼

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Laura April 17, 2016 at 4:17 pm

Vielen vielen lieben Dank, Sabrina! Vor allem den Motivationsschub für die BA kann ich gut gebrauchen 🙂

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