DU TUST MIR NICHT GUT. VERSCHWINDE.

Januar 24, 2017
lila_KEY_Klatschtante
WARUM ABSCHIEDE MANCHMAL DAS BESTE SIND, WAS UNS PASSIEREN KANN

Liebe Klatschtante,
vor ungefähr einem Jahr schrieb ich mir meine ganzen Emotionen von der Seele. Packte all meine Gedanken und meinen Hass in einen Text an Dich, den ich nie abschickte. Wusste trotzdem, dass Du ihn lesen würdest. Ich richtete das Wort gegen den Mann, den ich einst so sehr bewunderte. Wusch mir mit nicht nur einer heißen Dusche all die Tränen von den Wangen, die du niemals zu Gesicht bekommen würdest. Erhielt sofort Nachricht von Dir, die wiederum unbeantwortet blieb. Du batest mich, den Text zu löschen, ich könne schließlich Deine kostbare Karriere zerstören. Als ob David gegen Goliath im wahren Leben wirklich gewinnen würde.

ERNEUT HEBE ICH MEINE STIMME GEGEN DICH. WEIL ICH ES KANN.

Ein Jahr ist vergangen, ohne merklich viele Gedanken an Dich oder Deine Institution. Ein Jahr ist vergangen und ich weiß nicht, wie es Dir geht. Erhalte hier und da noch eine Mail von Dir. Sie ist nicht an mich gerichtet. Lösche sie also ungelesen.

Ein Jahr ist vergangen und mir geht es gut. Du kannst es im Internet lesen, kannst meine Stimme hören und mich als Forschungsobjekt nutzen. Kannst mich bloßstellen, ohne dass ich es merken würde. Kannst über mich reden, ohne dass ich es wahrnehmen würde. Denn deine Worte sind und bleiben unerhört.

Ein Jahr ist vergangen und mit ihm viele Zweifel und Zwänge. Ich brauchte lange, um über eure Institution hinwegzukommen.  Brauchte lange, um meine Wunden zu lecken. Die Narben kann ein jeder heutzutage immer noch sehen. Und sie sind schöner denn eh und je – weil sie mit Stolz getragen werden.

ICH. HABE. DICH. ÜBERLEBT.

Heute richte ich erneut das Wort gegen Dich. Denke mit Unverständnis an unsere Geschichte zurück. Einst batest Du mich, solltest du tot sein, Deinen Grabstein zu beschriften: „Never try.“
Was für ein ausgemachter Schwachsinn. Ich hoffe, du bist heute weiser als das. Welcher Lehrer kann von seinem Schüler derartiges verlangen? Mal ganz abgesehen davon, wie unrealistisch die Umsetzung ist. In Deinem Leben bin ich irgendein dahergelaufener Jemand, der zur falschen Zeit am falschen Ort ein offenes Ohr hatte und gleichzeitig eins brauchte. Wolltest du mich in Deinem Testament als offizielle Grabbeschrifterin bedenken? Ich denke nicht.

Ich bin immer noch sprachlos. Ich weiß, was du jetzt zu mir sagen würdest und ich weiß auch, was ich darauf antworten würde. Ein endloser Kampf zweier Dickköpfe. Der eine naiv, der andere depressiv.

In den Momenten, die ich doch an Dich dachte, verblieb ich angewidert, verwundert und bedauernd. Ob Du dazu gelernt hast? Ich weiß es nicht. Will nicht spekulieren. Möchte einfach keinen weiteren Gedanken verschwenden und schüttele den Kopf. Diese Momente verstreichen sekundenschnell.

ICH WURDE ZEITLEBENS LEBENSUNFÄHIG

Du fragst Dich, warum ich nicht Deinem Captain die Schuld gebe? Weil Du schlauer sein solltest als er. Zeigtest mir in so vielen Situationen, dass Du seine kindischen Spielchen durchschaust und warst am Ende doch selbst ein so schrecklicher Gauner. Wenn Du Dich schon nicht retten konntest, wieso hast Du es nicht bei uns versucht? Schlimmer noch, Du hast uns Schüler wissend über die Planke springen lassen…

Es wurde mehr über uns spekuliert als ich jemals hätte richtig stellen können. Viele in der Institution munkelten völlig falsche Dinge über uns – kein Fünkchen Wahrheit in Sicht. Du und der Captain, ihr wolltet nur einmal ganz Herr über mich sein. Um nur einmal euren Fantasien Befriedigung zu verschaffen. Auch andere wären dafür in Frage gekommen. Ich weiß nicht, was mich kränker macht.
Nur eines ließ mich hoffen – ihr habt nie einem von uns auch nur ein Haar gekrümmt. Aber schlimmer noch, du hast dem Monster in meinem Kopf Nahrung geschenkt. Hast mich physisch niemals angerührt, aber meine Gedanken krank gemacht. Nicht, dass sie vorher nicht schon verseucht waren, so wurden sie durch Dich noch niederschmetternder.

Liebe Klatschtante,
vor ungefähr einem Jahr war ich fertig mit Dir und doch noch gefesselt. Jetzt, zwölf Monate später bin ich gleichzeitig freier und doch immer noch gefesselt. Doch sind es heute nicht mehr Deine Fänge, in denen ich mich von Zeit zu Zeit verliere. Und auch wenn Du und der Captain viel zerstört habt,  so habe doch ich am Ende noch gewonnen. Denn ich lebe und das nicht allein.

Klatschtante

winter girl lifestyleblog


Hier kommt ihr zum ersten Teil der Geschichte: Du hörst einfach nicht auf.


Oberteil | Zara
Fotos | 2016

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