Es geht einfach nicht

April 16, 2017
abschalten
ABSCHALTEN WILL GELERNT SEIN

Freitagmorgen. Mein Hals kratzt und der Kopf dröhnt. Mühsam krieche ich unter meiner Bettdecke hervor, öffne dabei nur schwer die Augen. Mit der Wucht eines in voller Fahrt gegen die Wand krachenden PKWs hämmern die Schmerzen in meinem Hirn. Nur langsam dämmert mir die letzte Nacht in den hintersten Ecken meiner Neuronen. Schlecht Schlaf gefunden, von links nach rechts gewälzt, alle zwei Stunden aufgewacht. Fuck. Mich hat es erwischt.

IMMER ALLES ZU SEINER ZEIT

Gerade noch von den Trainingserfolgen geschwärmt, stelle ich an jenem Morgen fest, dass sich dieses Gefühl für die kommende Woche nicht mehr so schnell einstellen wird. Eine Erkältung hat sich breit gemacht. Nicht weiter tragisch, obwohl wir gerade Ostern haben und ich nur noch 10 Wochen Zeit bis zum Halbmarathon. Unschwer zu erkennen, dass ich sowas jetzt gar nicht gebrauchen kann. Dementsprechend genervt reagiere ich.

Freitagmorgen. Wütend alle Kissen aus dem Bett geschmissen. Sie dann nach einer Minute reumütig wieder eingesammelt und dekoverdächtig ins Bett platziert. Es hilft nichts, ich bin also krank. Das Training kann ich knicken, genauso wie arbeiten. Also ergebe ich mich meinem Schicksal und drehe mich resigniert eine weitere Runde im Bett rum. Die nächsten Stunden verbringe ich im Trancezustand. Doch es bringt nichts, die Gedanken rennen.

ZUR RUHE KOMMEN

Freie Tage kann ich immer noch nicht ertragen. Nur mit dem Unterschied, dass ich jetzt praktisch dazu gezwungen werde, diesen Zustand auszuhalten und mich mit ihm auseinander zu setzen. Ich kann mich weder konzentrieren noch körperlich austoben, bin dazu verdammt, mich der Stille und Ruhe um mich herum hinzugeben. Es ist beklemmend. Es mag schwer vorstellbar sein, wie ich ruhige, ungeplante Tage erlebe. Dass ich Herzrasen bekomme und am liebsten loslaufen möchte, um einfach etwas zu tun zu haben, und den Gedanken in meinem Kopf einen Streich spiele: „Nur noch einen weiteren Kilometer, eine weitere Abzweigung, ein weiteres Fahrtspiel.“

Abschalten ist eine aktive Aufgabe für mich, welche ganz oben auf meiner To-Do-Liste geschrieben steht. Abschalten muss geübt werden, Tag für Tag. Immer und immer wieder.  Und wenn es die 30 Minuten in der S-Bahn auf dem Weg zu Arbeit mit einem guten Buch oder einem neuen Podcast im Ohr sind. In diesen Zeiten wird nicht mehr Norwegisch gelernt, nicht an Projekten weitergearbeitet. Denn abschalten geht für mich schon lange nicht mehr einfach so, ich hab’s verlernt.

ENTFLIEH DEM GEDANKENKARUSSELL

Das Gedankenkarussell abschalten, ist eine Kunst für sich und ein jeder geht anders damit um. Man hat seine ganz eigenen Knöpfe, die gedrückt werden müssen, um zur Ruhe zu kommen. Für mich sind es einerseits die Kurzgeschichten von Sarah und Gerald von into-yourself. Mit der gewissen Liebe zum Detail habe ich schon viele Antworten auf einige wichtige Fragen erhalten. Andererseits brauche ich Aktivitäten, um zur Ruhe kommen zu dürfen. Wenn ich nicht ein gewisses Maß an Aufgaben erledigt, Projekten weiter voran gebracht oder trainiert habe, kann ich mein Gedankenkarussell nicht abstellen. Weil ich augenscheinlich nicht ausspannen darf. Ich lasse es also nicht zu, dass sich wirklich langfristig etwas ändert. Aber hey, niemand ist perfekt. Und momentan ist das auch irgendwie okay.

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1 comment

Sarah & Gerald April 16, 2017 at 11:53 am

Hallo liebe Laura <3 Danke für deine Erwähnung. Du hast geschrieben "Wenn ich nicht ein gewisses Maß an Aufgaben erledigt, Projekten weiter voran gebracht oder trainiert habe, kann ich mein Gedankenkarussell nicht abstellen. Weil ich augenscheinlich nicht ausspannen darf. Ich lasse es also nicht zu, dass sich wirklich langfristig etwas ändert." Das kennen wir auch. Wenn du eine Lösung suchst, empfehlen wir dir nach der Eisenhower Matrix / Prinzip zu googeln. Versuche Quadrant I (Urgent / Important) wegzuarbeiten und Aufgaben aus Quadrant II (Not-Urgent / Important) als Habits zu etablieren. Zu dem Gefühl was du geschrieben hast machen wir es zum Beispiel so, dass wir am Tag IMMER Yoga + Meditieren + Spazieren gehen + Duolingo haben. Außer Samstag, da ist alles kann nichts muss 😉 Weil wir wissen, dass uns das gut tut und wenn wir das gemacht haben, dann dürfen wir auch abschalten, weil wir an unserem Wohlbefinden gearbeitet haben. Aufgaben aus Quadrant I nehmen wir uns häppchenweise vor und es ist bei uns wichtig, dass wir uns damit nicht überladen. Wir hoffen, wir haben dich hiermit jetzt nicht überfallen :-* Liebe Grüße und bis bald!

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